
Reiseführer von Canarias.app · El Hierro
El Hierro entdecken: der komplette Inselführer zur Meridianinsel
El Hierro ist die kleinste und jüngste der Kanarischen Inseln, UNESCO-Biosphärenreservat und Welt-Geopark, mit 60 Prozent geschütztem Territorium. Wer hierherkommt, sucht keinen Sandstrand, sondern vulkanische Naturschwimmbecken, Tauchgänge von Weltklasse im Mar de las Calmas und Wanderwege durch vom Passat gebeugte Sabinen-Wacholder. Es ist die Insel des Nullmeridians und des nachhaltigen Vorzeigeprojekts Gorona del Viento: pure Natur, ohne Massentourismus und mit eigenständigem Charakter.
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten
Der Mirador de la Peña, ein Werk von César Manrique in Guarazoca, schenkt das klassische Postkartenmotiv des Tals El Golfo – ein Amphitheater aus fast 1.000 Meter hohen Steilwänden, das sich nach einem Bergsturz vor 15.000 Jahren zum Meer hin öffnet. In La Dehesa versammelt der Sabinar seine windgekrümmten Wacholderbäume, die der Passat fast bis zum Boden gebogen hat, gleich neben der Wallfahrtskapelle der Virgen de los Reyes. Nicht fehlen dürfen der Leuchtturm von Orchilla (der einstige Nullmeridian), der heilige Baum Garoé, der für die Ureinwohner, die Bimbachen, Wasser aus dem Nebel gewann, sowie das Ökomuseum von Guinea mit seinem Gehege für die seltene Rieseneidechse. La Llanía, zwischen Lorbeerwald und Kratern gelegen, zählt zu den magischsten Spaziergängen der Insel.
Strände und Naturschwimmbecken
Das Markenzeichen von El Hierro sind die vulkanischen Naturschwimmbecken, nicht der Sand. Die unverzichtbaren: La Maceta und das Charco Azul in El Golfo mit türkisfarbenen Becken und Stegen; der Pozo de las Calcosas im Norden, eingebettet zwischen Steinhäusern; und Tacorón, eine ruhige Bucht zum Schnorcheln nahe La Restinga. Tamaduste ist eine geschützte, lagunenartige Bucht, ideal für Familien. An Sandstränden gibt es nur zwei bequeme Optionen: Timijiraque (schwarzer Sand, im Osten) und El Verodal (rötlicher Sand, im Westen, mit Strömungen). Wichtiger Hinweis: Viele Becken sind auf ruhige See angewiesen; bei nördlichem Seegang können sie gefährlich werden, weshalb man den Zustand des Meeres vorab prüfen sollte.
Unterwegs auf der Insel
Ein Mietwagen ist sehr zu empfehlen: Die Insel lädt dazu ein, sie ohne Zeitplan zu erkunden, und der öffentliche Nahverkehr ist begrenzt. Die Distanzen sind kurz, führen aber über kurvige Bergstraßen mit Tunneln, sodass man großzügig Zeit einplanen sollte (vom Flughafen nach Frontera sind es 26 km und rund 30 Minuten, nach La Restinga 41 km und knapp eine Stunde). Die Busse von TransHierro verbinden mit zwölf Linien die Ortskerne, allerdings mit geringer Taktung, die eher auf die Einheimischen ausgelegt ist. Es gibt Taxis rund um die Uhr, auch barrierefreie, mit Richtpreisen von etwa 28 bis 30 Euro vom Flughafen nach Frontera und 48 bis 52 Euro nach La Restinga. Tanken sollte man rechtzeitig: Es gibt nur wenige Tankstellen, und sie schließen früh.
Beste Reisezeit und Klima
El Hierro hat das ganze Jahr über ein mildes subtropisches Klima mit geringen jahreszeitlichen Schwankungen. Den Kontrast macht die Höhenlage und Ausrichtung: Der Norden (Valverde, El Golfo) ist durch den Passat und das charakteristische Wolkenmeer feuchter, kühler und wolkiger, während der Süden (La Restinga, Mar de las Calmas) wärmer, trockener und sonniger ausfällt. Zum Tauchen und Baden ist das Wasser von Juni bis November am angenehmsten, mit dem Höhepunkt im September und Oktober. Zum Wandern eignen sich Frühling und Herbst am besten. Zu jeder Jahreszeit lohnt sich eine leichte Jacke für die Abende und die Höhenlagen, und es zahlt sich aus, von den Aussichtspunkten Jinama oder La Peña das Wolkenmeer einzufangen.
Wo übernachten
Das Angebot ist klein und charaktervoll, eine Folge des bewusst begrenzten Tourismus: Landhotels, Steinhäuser, Apartments, Campingplatz und der Parador von El Hierro. Zur Wahl der Region: Valverde, Tamaduste und Echedo (Osten/Norden) sind eine praktische Basis dank der Nähe zu Flughafen und Hafen; El Golfo, Frontera und Tigaday (Westen) bieten grünes Tal, Naturschwimmbecken und Wein als sehr vollständige zentrale Basis; und La Restinga (Süden) ist unverzichtbar, wenn man zum Tauchen kommt. In Las Playas, am Fuß der Steilwände, liegen der Parador und das berühmte Hotel Punta Grande, das als eines der kleinsten Hotels der Welt gilt. In Sabinosa rühmt sich das Heilbad Pozo de la Salud seiner historischen Heilwässer.
Küche und Tipps
Das Aushängeschild ist der Hierro-Käse, oft mit Feigen-, Heide- oder Kaktusholz geräuchert, international ausgezeichnet, sowie seine süße Variante, die Quesadilla. Dazu passen ein Wein der DO El Hierro (vor allem körperreiche Weißweine), frischer Fisch mit Runzelkartoffeln und Mojo, Napfschnecken, Krake sowie Gerichte aus dem Inselinneren wie Brunnenkresse-Eintopf, Puchero oder Ziegenfleisch mit Gofio. Es gibt sogar tropische Ananas, angebaut in El Golfo. Praktische Tipps: Mietwagen und Fähre in der Hochsaison frühzeitig buchen, etwas Bargeld mitnehmen, da manche Betriebe keine Karten akzeptieren, und die Umgebung respektieren (Biosphärenreservat und Meeresschutzgebiet). Der klare Himmel macht die Insel zudem zu einem hervorragenden Ziel für die Sternenbeobachtung.
Häufige Fragen
Fragen zu El Hierro entdecken
Wie kommt man nach El Hierro?
Es gibt zwei Wege. Mit dem Flugzeug erreicht man den Flughafen von Valverde (VDE) nur über Inselflüge von Binter ab Teneriffa-Nord und Gran Canaria (rund 35 bis 40 Minuten), weshalb man vom spanischen Festland oder aus dem Ausland umsteigen muss. Mit der Fähre dauert die Route Los Cristianos (Teneriffa) – Puerto de la Estaca etwa 2 Stunden 20 Minuten, betrieben von Naviera Armas und Fred. Olsen – eine bequeme Option, wenn man das eigene Auto mitnehmen möchte. Die Fahrpläne sollte man je nach Saison überprüfen.
Hat El Hierro Sandstrände?
Nur sehr wenige. Das eigentliche Badevergnügen sind die vulkanischen Naturschwimmbecken wie La Maceta, Charco Azul, der Pozo de las Calcosas oder Tacorón. An Sandstränden gibt es lediglich zwei bequeme Optionen: Timijiraque mit schwarzem Sand im Osten und El Verodal mit rötlichem Sand im Westen, wobei Letzterer Strömungen aufweist, die zur Vorsicht beim Baden zwingen. Bevor man in ein Becken steigt, sollte man prüfen, dass das Meer ruhig ist, vor allem bei nördlichem Seegang.
Warum ist El Hierro für das Tauchen berühmt?
Wegen des Meeresschutzgebiets Mar de las Calmas im Südwesten, das im Windschatten des Passats liegt und ein außergewöhnlich ruhiges Meer bietet. La Restinga gilt als die Tauchhauptstadt der Kanaren, mit einer Sicht von bis zu 30 Metern, ganzjährigen Wassertemperaturen zwischen 18 und 25 °C und vulkanischen Grundformen, die sich nach dem Vulkanausbruch von 2011 neu belebt haben. Zu sehen sind Zackenbarsche, Barrakudas, Schildkröten und gelegentlich der Walhai. Der spektakulärste Tauchgang ist El Bajón, ein Unterwasserberg.
Wie viele Tage braucht man für El Hierro?
Mit 3 oder 4 Tagen bekommt man ein gutes Bild der Insel: ein Tag für El Golfo mit seinen Aussichtspunkten und Becken, einer für La Dehesa (Sabinar, Leuchtturm von Orchilla und Kapelle), einer zum Wandern in La Llanía oder rund um Valverde samt Garoé und einer zum Tauchen oder Baden im Süden. Wer ernsthaft in La Restinga abtauchen möchte, sollte mehr Tage einplanen. Es ist eine Insel, die man sich mit Ruhe und ohne Eile vornehmen sollte.
Was ist Gorona del Viento und warum ist es eine Attraktion?
Es ist das Wind-Wasser-Kraftwerk, das die Insel zu 100 Prozent mit erneuerbarem Strom versorgen will. Es kombiniert fünf Windräder (11,5 MW) mit einem Pumpspeicherwerk: Bei Windüberschuss wird Wasser in einen zum Speicher umgewandelten Krater gepumpt; fehlt der Wind, treibt das herabfließende Wasser die Turbine an und erzeugt Energie. Über mehrere Wochen am Stück gelang es, den gesamten Bedarf allein aus erneuerbaren Quellen zu decken. Es ist das große Symbol von El Hierro als nachhaltige Insel und ein weiterer Grund für einen Besuch.
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